wirtschaftliche Folgen 2019-05-04T17:28:58+00:00

Mähtod – wirtschaftliche Folgen

Für wen hat der Mähtod eines Wildtieres wirtschaftliche Folgen?

In erster Linie hat der Landwirt wirtschaftliche Schäden bei einem Mähtod. Neben den rechtlichen Folgen, die mehrere 1.000€ Strafe für einen Landwirt bedeuten können, kann verunreinigtes Futter durch Kadaver weitaus schwerwiegendere finanzielle Verluste verursachen.

Die Tiergesundheit spielt für die wirtschaftlichen Kennzahlen eines Betriebes eine große Rolle. Ein gesunder Tierbestand ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Produktion und spiegelt sich durch niedrige Tierarztkosten sowie einer hohen Tierleistung in der Jahresbilanz wieder. Krankheitserreger können die Gesundheit von einzelnen Tieren und darüber hinaus die Gesundheit eines kompletten Tierbestands stark gefährden. Auch Jahre nach dem Befall sind Folgeerscheinungen und Rückfälle möglich. Das bertrifft vor allem hoch toxische Bakterien, die sich bei verschiedenen Umwelteinflüssen bilden können. Besonders stark diskutiert, erforscht und als relevant bewertet ist Clostridium botulinum. Es kann sich in Silage entwickeln, im der Kaderteile von Wildtieren enthalten sind.

Was ist Botulismus?

Bei C. botulinum handelt es sich um eine Gruppe von verschiedenen, bodenbürtigen Bakterien, die in der Lage sind Neurotoxine, also Nervengifte zu bilden. Die Toxine zählen zu den stärksten in der Natur. Die Erreger sind 0,5 – 2,0 x 1.6 – 22 μm groß und somit nur durch ein Mikroskop zu erkennen . Vergrößert zeichnen sie sich durch eine gerade bis leicht gebogene Stäbchenform aus. Grundsätzlich lassen sich sechs verschiedene C. botulinum-Toxintypen (Typ A – F) unterscheiden. Besonders die Typen B, C und D gelten für Rinder als gefährlich. Diese Stämme sind u. a. dafür bekannt, dass sie gekochtes Fleisch, Hühnereiweis, koaguliertes Serum sowie Milcheiweis abbauen können. Zur Vermehrung der Toxinbildung durch die Erreger sind insbesondere Temperaturen von 20 – 40 °C je nach Typ förderlich. Der Erreger ist nahezu überall vorzufinden, im Boden, in Gewässern und im Magen-Darm-Trakt von Säugetieren, der Mensch mit inbegriffen. Die Verbreitung erfolgt durch Wasser, Staub und Pflanzenmaterialen. (Agrar- und Veterinärakademie, 2010, S. 22) vgl. (Landesuntersuchungsamt Rheinland Pfalz, 2015, S. 1)

Wie kommt es zu Botulismus in einem Tierbestand?

Grundsätzlich ist zwischen einem viszeralen und der klassischen Form des Botulismus zu unterscheiden. Bei der klassischen Form einer Infektion mit C. botulinum, also einem Bakterium, handelt es sich um eine Vergiftung, d. h. durch C. botulinum gebildete Toxine in der Umwelt werden durch die Aufnahme von Stoffen (Futter, Wasser etc.) dem Körper zugeführt. Die Toxine bilden sich in Tierkadavern, in eiweißreichem organischem Material sowie in eiweißreichen faulenenden Pflanzen mit hohem pH-Wert. (Landesuntersuchungsamt Rheinland Pfalz, 2015, S. 1) Der Rindergesundheitsdienst Aulendorf in Baden-Württemberg beschreibt einen Krankheitsfall mit Botulismus. Am 18.06.2010 verendeten im Kreis Ravensburg zwei Jungtiere aus zunächst unbekannten Gründen. Eine Untersuchung ergab, dass ein Kadaver eines Dachses im Grundfutter ursächlich für die Bildung von Toxinen durch C. botulinum des Typs C war. Insgesamt wurden zehn Totalverluste nachgewiesen. Das Landesuntersuchungsamt Rheinland Pfalz nennt eingemähte Tierkadaver in Form von Nagern und Rehkitzen bei der Silagebereitung ins Grundfutter ebenfalls als Hauptursache. Beim viszeralen Botulismus oder auch chronischer Botulismus genannt, erfolgt die Toxinbildung  innerhalb des Magen-Darm-Traktes. Diese Form wird durch Experten als relativ selten bewertet. (Albrecht, 2010, S. 8) vgl. (Landesuntersuchungsamt Rheinland Pfalz, 2015, S. 1)

Woran erkennt man Botulismus in einem Tierbestand?

Die Toxine dringen an  die motorischen Endplatten der Nerven und verhindern die Freisetzung von Acetylcholin, das für die Muskelkontraktion nötig ist. Dies führt zu schlaffer Lähmung. Bei Milchvieh gelten insbesondere Hochleistungstiere als gefährdet gegenüber Botulismus. Die Erkrankung äußerst sich durch Bewegungsstörungen der Hintergliedmaßen, Fressunlust und führt zur Abmagerung. Weitere Anzeichen sind Speichelabsonderungen, erhöhte Herzfrequenz, Verlust des Kalbes, Stoffwechselstörungen, Neigungen zu Ödemen, Eutererkrankungen und Klauenrehe. Eine stetige starke Erhöhung des Zellgehaltes in der Milch ist ein erstes Anzeichen für Botulismus. Neben Rindern sind auch Hühner und Wassergeflügel sowie Pferde betroffen. (Landesuntersuchungsamt Rheinland Pfalz, 2015, S. 1) vgl. (Albrecht, 2010, S. 5 f.)

Welche Kosten kann Botulismus verursachen?

Aus den beschriebenen Ursachen und Auswirkungen eines Befalls mit C. botulinum ist zu schließen, dass die Futterhygiene eine Schlüsselrolle bei der Tierhaltung spielt. Es ist davon auszugehen, dass bereits ein Kadaver im Grundfutter, wie z. B. der eines Rehkitzes, Auslöser für die Bildung hochtoxischer Stoffe sein kann und mehrere Kubikmeter Silage verunreinigt. Aus der Literatur lässt sich anhand der Vorfälle der vergangenen Jahrzehnte wie beispielsweise in Baden-Württemberg ableiten, dass in den wenigsten Fällen ein Totalverlust zu erwarten ist (vgl. Albrecht, 2010, S. 8). Grundsätzlich ist jedoch von einer latenten Zunahme mit C. botulinum auszugehen, die nur schwer zu erkennen ist. Zu dem Schluss kommen auch die Tierärztinnen und Tierärzte in der Göttinger Erklärung. „Diese durch Stoffwechselprodukte (Toxine) von bestimmten Clostridien […] verursachten Erkrankungen nehmen in Deutschland nachweisbar […] an Bedeutung zu. Erste Meldungen bestätigen auch Kontaminationen mit diesen Erregern im Schweinebereich. Dieser Prozess der permanenten Kontamination der pathogenen Clostridien (über […]Grünfutter, wie z. B. Silagen) mit der Herde verläuft meist über 2 – 3 Jahre. Der Landwirt sieht sehr unspezifische klinische Bilder. Registriert wird in erster Linie der Leistungsabfall einzelner Tiere, bzw. der Herde. In den Beständen schaukelt sich das Erkrankungsgeschehen auf. Immer mehr Clostridien gelangen in den Tierkörper und können sich hier auch vermehren und das Botulinumtoxin mehr oder weniger produzieren. Natürlich steigt auch die Erregerkonzentration im Umfeld der Tiere mehr und mehr. Sind bestimmte Grenzwerte erreicht, wird das klinische Bild des chronischen Botulismus mit Paresen (Lähmungen) etc. sichtbar.“ (Agrar- und Veterinärakademie, 2010, S. 142 f)

Einmal im Tierbestand vorhanden, nimmt der prozentuale Anteil an befallenen Tieren also zu. Die Erreger verbreiten sich durch Wasser, Luft und im Kot der Tiere und vermehren sich dadurch laufend. Bei einem Totalverlust eines Tieres z.B. einer Färse oder einer Kuh entstehen schnell mehrere 1.000 Euro Schaden. Nicht direkt sichtbar aber auf Dauer ein großer Faktor können sinkende Milchleistung und schlechtere Milchqualität sein. Auch der Verlust von mehreren Kubikmetern Silage oder Silageballen sind direkt bewertbare Verluste von mehreren 100 Euro. Auch Tierarztkosten mit mehreren 100 Euro können bei Botulismus verursacht werden.

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